Kleine Holzkunde

Der Werkstoff Holz

Nachdem Parkettböden lange Zeit als unmodern und pflegeunfreundlich galten, erlebte dieser wunderbare Bodenbelag eine regelrechte Renaissance. Seine Schönheit, seine Natürlichkeit, seine stilechte Repräsentativität und seine vielen positiven Eigenschaften trugen dazu, dass er wiederentdeckt wurde. Eine große Rolle spielten dabei auch neue Technologien und hervorragende Konstruktionen der Verlegeelemente. Denn das Naturmaterial Holz hat viele technologische Tücken. Hohe Luftfeuchte im Sommer und geringe im Winter beanspruchen Holzfußböden sehr stark. Fugen, Risse und Verwindungen sind die Folge. Doch durch die Konstruktionen von Fertigparkett (beispielsweise 3-schichtiger und jeweils gestürzt abgesperrter Elementaufbau) wurde die Grundlage für einen modernen und maßstabilen Holzfußboden geschaffen, mit dem die natürliche Bewegung des massiven Holzes auf ca. 1/3 reduziert wird. Als Vorteil des Fertigparketts erweist sich auch, dass die beiden unteren Schichten aus schnellwachsenden Weichhölzern bestehen, während das sichtbare Nutzholz aus wertvollen Edelhölzern besteht.

Holz und Wasser

Beim Werkstoff Holz muss der Bodenbelagsfachmann komplett umdenken. Die meisten Werkstoffe, mit denen er arbeitet sind in ihrem Verhalten hauptsächlich temperaturabhängig. Bei Holz ist das Formänderungsverhalten hingegen in erster Linie vom Feuchtegehalt in der Holzfaser abhängig. 90 Prozent aller Schwierigkeiten mit Holz sind durch Feuchtigkeit bedingt, wurde einmal behauptet. Werden die fundamentalen Zusammenhänge zwischen Holz und Feuchtigkeit mißachtet ist diese die Schätzung sogar noch zu niedrig angesetzt. Andererseits ist dieser natürliche Werkstoff ungeheuer reizvoll, wenn das Wissen über seine physikalischen Eigenschaften bekannt ist.
Wer die wichtigsten Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen Holz und Feuchtigkeit kennt, für beantworten sich automatisch viele Fragen von selbst. Schon in der Schule wird gelehrt, dass Holz „arbeitet“ und vielen ist das Phänomen aus der eigenen Erfahrung bekannt. Die aus massiven Brettern gearbeitete Schublade, die im Winter perfekt gleitet, aber im August auf einmal klemmt; oder aber die massive Schranktür eines alten Kastens, die einmal exakt eingepaßt schien, mit einem mal aber verzogen ist. Die alten Ägypter schlugen Holzkeile in Steinspalten und tränkten sie anschließen mit Wasser, um riesige Steinblöcke los zu sprengen. Dies ist ein eindrucksvolles Beispiele für die enormen Kräfte, die durch das Quellen von Holz freigesetzt werden; Holz ändert seine Form, bei sich ändernder Umgebungsfeuchte. Diese elementare Dimensionsänderung von Holz gilt es immer zu bedenken, wenn mit diesem Werkstoff gearbeitet wird. Wie erklärt sich aber diese Verhalten?
Im lebenden Baum ist Holz sehr naß. Die einzelnen Holzzellen, aber auch die sie trennenden Zellwände sind maximal mit Wasser gefüllt (Zellsaft). Sie sind in ihrem maximalen Quellungszustand. Nach dem Fällen verdunstet jedoch der größte Teil dieses Wassers nach und nach, bis sich ein Gleichgewichtszustand zwischen Umgebungsluftfeuchte und dem Feuchtigkeitsgehalt des Holzes einstellt. Dabei schrumpfen die Holzzellen; man nennt diesen Vorgang Schwinden. Dieser allmähliche langsame Vorgang der Lufttrocknung wird heutzutage bei der Holzverarbeitung durch Prozesse in Trockenkammern beschleunigt, bis der Feuchtegehalt der späteren Umgebungsfeuchte am Verwendungsort entspricht.

Wichtige Fakten

Drei Fakten sind wichtig:

  1. Egal ob Holz lackiert, geölt oder gewachst ist, es behält seine Fähigkeit aus der Umgebung Feuchtigkeit aufzunehmen und dadurch aufzuquellen und Feuchtigkeit abzugeben und somit zu schwinden.
  2. Die relative Luftfeuchte ist niemals konstant. Im Gegenteil, sie schwankt im jahreszeitlichen Rhythmus sogar sehr stark. Diese relative Luftfeuchte der Atmosphäre ist naturgegeben und kann von uns nicht beeinflußt werden (außer in vollklimatisierten Räumen). Wetterfronten führen Luftmassen aus oft weit entfernten warmen Gebieten heran, die eine bestimmte absolute Luftfeuchte enthalten. Zusätzlich herrschen örtliche Einflüsse von oft erheblicher Bedeutung, beispielsweise aus hoher Feuchte der Vegetation oder aus der Verdunstung großer Wasseroberflächen.
  3. Umgebende Bauteile können dem Holz unerwünschte Feuchte zuführen. Dazu gehören zu nasse Estriche, zu nasses Mauerwerk oder ähnliches. Daher müssen die die einschlägigen Vorschriften und Normen für einen verlegereifen Unterboden, die für alle Fußböden gelten, beachtet werden (entsprechend VOB, Teil C, hier im besonderen die DIN 18356 „Parkettarbeiten“). Vor der Verlegung muß eine Überprüfung der Estrichfeuchte mit dem CM (Carbidmethode)- bzw. CCM(Calcium-Carbidmethode)-Gerät durchgeführt werden. Für eine gute Lüftung der Räume vor, während und auch nach der Verlegung ist zu sorgen, um die eventuell vorhandene Baurestfeuchte ist abzuführen. Grundsätzlich ist das Quell- und Schwindmaß quer zum Faserverlauf immer erheblich größer ist als in Faserlängsrichtung. Dies ist der Grund, dass althergebrachtes Massivparkett im Winter zu starker Fugen bildet.